Santa Marta Favela Tour in Rio de Janeiro

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Ich wollte schon immer nach Rio de Janeiro, um mehr über die Unterschiede im Leben der geteilten Bevölkerung zu erfahren, die so nah beieinander lebt. Umso aufgeregter war ich, als ich eine Favela Tour durch Santa Marta gebucht habe.

Was ist eine Favela

Eine Favela wird oft als ausgeschlossenes Gebiet am Rande einer Stadt bezeichnet, die aus einer großen Anzahl einfach gebauter Häuser in ihrer Rohform besteht. Favelas, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit etwa 70 bis 80 Jahren. Sie werden hauptsächlich von den dort lebenden Menschen und nicht von der Regierung reguliert.

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Am unteren Ende der Favela

Warum gibt es Favelas

Favelas existieren, weil sich die Bürger der Mittelklasse das Leben in der Stadt nicht mehr leisten konnten und in die Außenbezirke gedrängt wurden. Da sich niemand wirklich für das Land auf den Bergen interessierte, begannen die Leute dieses in Besitz zu nehmen, um dort ihre Häuser zu bauen. Auf diese Weise mussten sie nicht auf der Straße leben.

Theoretisch gesehen gehört dieses Land jedoch der Regierung. Als diese bemerkte, wie schnell die Favelas wachsen, begannen sie von den Menschen, die am unteren Teil der Favelas lebten, Land- / Haussteuern zu verlangen. Als Reaktion darauf begannen die Menschen nun noch höher zu bauen, da die Regierung dort nicht hingehen würde.

Eine Sache, die wichtig ist um Favelas zu verstehen ist, dass nicht alle Menschen die dort leben Kriminelle sind. Es sind ganz normale Menschen, die nur versuchen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Rund 90-95% sind gute Leute, die die Verbrechen selbst verachten. Besonders für ältere Menschen kann das Leben in Favelas schwierig sein, da es mit zunehmenden Alter schwieriger wird irgendwann den Berg hinaufzukommen.

Die meisten Menschen, die in den Favelas leben, haben selbst Jobs oder erschaffen neue Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Beispiel Müll, für die Menschen die oben wohnen, heruntertragen. In Favelas selbst findet man auch ganz normal Supermärkte, Friseure, Schulen, Bäckereien usw.

Popularität von Favelas

Dank des Musikvideos von Michael Jackson, „They don’t care about us“, wurden die Favelas immer bekannter und die Regierung widmete sich ihren Problemen. In einigen Favelas gibt es nun zum Beispiel einen Aufzug, mit dem man den Berg hinauf und hinunter fahren kann, Wasser, Strom und Internet. Für die letzten drei Dinge müssen die Leute jedoch selbst zahlen.

Hauptprobleme in den Favelas

In den Favelas gibt es drei Hauptprobleme die behoben werden müssen: Drogen- und Waffenhandel, Müllabfuhr und sexuelle Aufklärung.

Drogen- und Waffenhandel

Drogen- und Waffenhandel ist das bekannteste Problem der Favelas und der Grund, warum sie einen so schlechten Ruf haben. Leider ist es oft die Polizei, die tatsächlich Waffen und Drogen in die Favelas bringt, auch wenn sie diejenigen sein sollten, die die Menschen beschützen.

Alles dreht sich immer um Geld und Überleben. Die Polizisten selbst werden, für die von ihnen verlangte Arbeit, nicht sehr gut bezahlt. Da sie wissen wie verzweifelt einige Menschen in den Favelas sind, bieten sie ihnen die Möglichkeit sehr schnell zu viel Geld zu kommen. Einige Menschen nehmen das natürlich an.

Selbst wenn ein Polizist einen Drogendealer erwischt, nimmt er gerade genug, um diese Person zu verhaften und verkauft den Rest der Drogen dann selbst an andere Favelas weiter. Es ist ein sehr korruptes System.

Müllabfuhr

Die öffentliche Müllabfuhr findet nur am unteren Rande des Bergs der Favelas statt. Menschen die weiter oben wohnen bringen jedoch oftmals ihren Müll nicht runter, was dazu führte, dass bereits Kinder beim Spielen ihr Leben verloren, wenn es zu regnen begann und eine große Flut Müll sie erschlug.

Heutzutage verbessert sich die Situation mit dem Müll jedoch, da Menschen die auf dem Weg nach unten sind, gebeten werden Müll mit herunter zunehmen und dafür ein bisschen Geld bekommen.

Sexuelle Aufklärung

Sexuelle Aufklärung ist ein weiteres großes Problem in Favelas, da sehr junge Familien mehrere Kinder haben und Schwierigkeiten damit für sie zu sorgen.

Favela Santa Marta
Favela Santa Marta

Santa Marta Favela Ausflug in Rio de Janeiro

Wir beschlossen eine Favela Tour in Rio de Janeiro mit einem örtlichen Anbieter (aus den Favelas) und nicht mit einer Tourismuskette zu buchen. Auf diese Weise bleibt das Geld in den Favelas und unterstützt die Einheimischen, da ein kleiner Betrag an jede von uns besuchte Institution, sowie an die Einheimischen geht, die die Tour organisiert haben.

Ich kann Favela Santa Marta Tour nur empfehlen. Unser Reiseleiter war Felipe, der mehrere Sprachen fließend spricht. Während wir uns für die englische Tour entschieden haben, kann man auch nach der Spanischen oder Portugiesischen fragen.

Die Tour findet 2x täglich statt, entweder um 10 Uhr oder um 14 Uhr. Man kann entweder Thiago über WhatsApp direkt kontaktieren oder über die Website buchen. Die einfachste Tour kostet ca. 125RS (ca. 30 €), die man entweder per PayPal bezahlen oder am Tag der Tour in bar mitbringen kann. Es gibt jedoch auch Optionen wie Abholung von der Unterkunft, Hubschrauberflug oder andere Sehenswürdigkeiten inklusive.

Die Santa Marta Favela Tour in Rio dauert ungefähr 2 Stunden. Man hält an verschiedenen Einrichtungen wie Kindergarten, Post, Gründerheim und Souvenirläden, wo man Dinge kaufen kann, um Einheimische weiter zu unterstützen. Ich habe ein Shirt gekauft, das von einem 6-jährigen entworfen wurde und ein handgemaltes Bild von Rio .

Hier könnt ihr mehr über den Treffpunkt und was ihr zur Santa Marta Favela Tour in Rio mitbringen müsst.

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Tour Guide Felipe von Favela Santa Marta Tour

Santa Marta Favela in Rio de Janeiro

Santa Marta ist die 2. Favela die in Rio gebaut wurde und eine der steilsten ohne Straßen. Dort leben heute rund 8000 Menschen.

Es war eine der ersten Favelas die von der Polizei besänftigt wurde. Es wird gesagt, dass es seit 2008 keinen Drogenhandel mehr gibt. Daher wird es als Idol / Beispiel-Favela angesehen, von der andere Favelas lernen können. Sie haben sogar einen Favela-Präsidenten, der mit der Regierung, Politikern und so weiter kommuniziert.

Was wir von Favelas lernen können

Wie aus jeder traurigen Sache können wir auch hier einige Lektionen fürs Leben mitnehmen. Hier sind 3 Dinge, die wir von Favelas lernen können.

Teamwork

Ohne die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit der Menschen wäre ein Leben in Favelas nicht möglich. Die Bewohner der Favelas haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl und helfen sich gegenseitig wenn Hilfe benötig wird, sei es Müll herunterzutragen, schwere Dinge hochzutragen, ein Haus zu bauen, sich gegenseitig zu unterrichten, auf die Kinder des jeweils anderen aufzupassen und so weiter.

Alles ist möglich Einstellung

Es ist immer eine Herausforderung in schwierigen Zeiten eine positive Einstellung zu bewahren. Zumindest eine Handvoll aller Favelabewohner muss dies jedoch getan haben. Sie lernten wie man Häuser in einen Berg baute, in dem die Regierung nicht einmal bauen würde, und errichteten ein funktionierendes System, in dem es keines gab.

Kreativität

Wenn Favelabewohner eine Sache sind, dann ist es kreativ. Einige Favelas sind nicht nur sehr bunt bemalt, sondern die Menschen haben sich auch neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, z. B. Waren hoch und runter tragen, Favelatouren organisieren, ein Friseurgeschäft eröffnen, einen Supermarkt eröffnen, Souvenirläden mit selbst gestalteten Produkten usw.

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Ganz oben in Santa Marta Favela in Rio

Persönliche Meinung zu meiner Favela Tour in Rio

Für mich war die Santa Marta Favela Tour in Rio sehr aufschlussreich und hat mir geholfen meine Vorurteile abzubauen, wie zum Beispiel, dass alle Menschen, die dort leben, Kriminelle sind. Dies ist einfach nicht wahr und eher das Gegenteil.

Ich habe es genossen zu sehen, wie ihre eigene Community sehr gut funktioniert und wie sie sich gegenseitig für eine bessere Zukunft helfen. Die interessanteste Tatsache war, dass einige Leute, die es sich leisten konnten woanders zu leben, beschlossen in der Favela zu bleiben.

Es ist eine gute Lektion fürs Leben immer hinter die Fassade zu schauen und sich nicht vom ersten Eindruck oder den Medien falsch leiten zu lassen. Es ist besser sich zuerst selbst davon zu überzeugen, anstatt das was Andere gesagt haben, weiterzutragen, ohne sich vorher selbst ein Bild von der Situation gemacht zu haben. Davon abgesehen laufen nicht alle Favelas so wie die Santa Marta, welche wir besucht haben. Es gibt viel gefährlichere Favelas. Versteht mich also nicht falsch.

Ich hoffe, dass die Santa Marta Favela auch anderen Favelas helfen kann, in Zukunft gut zu funktionieren.

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